Erzählt, gemalt, verwischt: Andy Denzler in Berlin, Die Welt, Von Gerhard Charles Rump

Wie ein Wisch, wie ein Durchstreichen nach Irrtum, wie eine mutwillige Verletzung einer Luxus-Oberfläche: Das"Verziehen" des Gemalten ist das Markenzeichen von Andy Denzler, dessen zwischen Präzision und Schärfe schwebenden Bilder so eine Verstärkung des Bewegt-Momentanen erfahren, das sie auszeichnet. Der Zürcher hat von Anfang an mit diesen Gemälden Aufsehen erregt, und er ist auf nahezu jeder internationalen Messe damit vertreten. Lange hat er experimentiert. Acrylfarbe trocknet schnell, auch wenn sie dick aufgetragen wird, lässt dem Künstler aber zu wenig Zeit zum "Verziehen" der Bilder. Ölfarbe ist da geduldiger, braucht aber lange zum Trocknen. In einigen seiner Gemälde benutzt er beide Farben. Letztlich haben aber die Ölfarben dann doch die Siegespalme errungen. Andy Denzler zeigt in der Galerie schultz contemporary in Berlin (Mommsenstraße 34) die Bilder seiner Serie "The Human Nature Project". Sie wirken wie Stills aus alten Videos. Das Sichtbare flimmert aber nicht vorbei, sondern erhebt sich, nicht nur virtuell, aus der Bildfläche, aus der Leinwand, die Interventionen erschließen neue Bildebenen und Sichtweisen. Präzise gesetzt sind die Motive, entziehen sich aber durch die Kantenunschärfe einer genauen Lokalisierung. Accessoires (wie zum Beispiel Rucksäcke) definieren das Bildgeschehen als jetztzeitig. Das Hier und Jetzt wirkt jedoch nicht statisch, sondern als in "fleeting images" realisiert, in vorbeihuschenden Bildern, gerade als wollten die Protagonisten mit den Netzen des Staunens den flüchtigen Schmetterling des Lebens erhaschen (frei nach Glen Campbell). Andy Denzler malt mittlerweile nach Modell - er platziert Modelle an den Gestaden des Zürichsees, so dass bildlich erzählte Zeit auch Erzählzeit ist, also besteht ein direkter, situativer Zusammenhang von Motiv und Bild. Vermittelt wird hier durch eine Malerei, deren Ingeniösität dazu beiträgt, die Erzählung wieder zurückzudränngen, Narrativität zu minimieren. Nicht Motiv oder Erzählung stehen im Vordergrund, sondern die Malerei.